Lebensziele
Ziele erreichen: 12 Tipps, die Du nicht alle brauchst
Zwölf Wege, die beim Erreichen von Zielen helfen können.
Wie erreicht man seine Ziele? Wenn Du mich fragst: nicht mit einer Pauschallösung. In diesem Artikel findest Du zwölf Werkzeuge, die ich über die Jahre gesammelt, ausprobiert und teilweise wieder verworfen habe. Manche davon werden zu Dir passen wie angegossen. Andere nicht. Genau darum geht es: selbst ausprobieren und behalten, was bei Dir wirkt. Falls Du Dein Ziel erst noch suchst, ist das übrigens kein Rückstand, sondern Schritt eins.
Vielleicht hast Du etwas Ähnliches schon erlebt:
Es war eine schneidend kalte, aber sternenklare Nacht. Silvester war gerade ein paar Stunden vorbei. Irgendwo hatten ein paar ganz Verrückte ihren Vorrat an Feuerwerkskörpern noch immer nicht verballert, und so wurde der Himmel auch um drei Uhr nachts sporadisch erleuchtet: grün, rot, manchmal mit Sternenregen.
Wir standen entspannt an eine Hauswand gelehnt. Hatten kräftig gefeiert und möglicherweise auch ein wenig getrunken. Mia riss ein Streichholz an, zündete sich die dritte Zigarette an und blies den Rauch in die kalte Nachtluft. „Dieses Jahr wird alles anders. Ich mache jetzt die Coaching-Ausbildung, ich weiß, wie das geht. Dieses Jahr ziehe ich es durch. Dieses Jahr erreiche ich meine Ziele!”
Thomas sah zu ihr rüber. „Mia?”
Sie: „Ja?”
Thomas: „Hattest Du Dir nicht vor drei Stunden erst vorgenommen, mit dem Rauchen aufzuhören?”
Sie: „…”
Der nächste Zug an der Zigarette war jedenfalls der längste, den ich je gesehen habe.
Mia ist kein Einzelfall, und ich erzähle das nicht, um mich über sie lustig zu machen. So einen Sog können Gewohnheiten entwickeln: Kaum bricht der Alltag über uns herein, greift die Hand wie von selbst zur alten, eingespielten Lösung. Das mitzuerleben kann einen manchmal schier zur Verzweiflung bringen. Ausgeliefert sind wir diesem Sog trotzdem nicht. Wäre es so, hätte noch nie ein Mensch mit dem Rauchen aufgehört, und meine Jahre als Coach wären reine Beschäftigungstherapie gewesen. Gewohnheiten lassen sich umbauen. Nur reicht dafür selten ein Silvester-Schwur, es braucht ein wenig Handwerk. Wie wir unsere guten Vorsätze umsetzen, nachhaltig und vielleicht sogar mit einer gewissen Leichtigkeit, das schauen wir uns jetzt an.
Die 12 Tipps
1. Hast Du wirklich ein Ziel?
Ein Ziel zu finden ist nicht für jeden gleich leicht. Während der Eine sich fragt, wann er all seine tollen Vorhaben nur unterbringen soll, sucht der Andere vergebens nach einem einzigen Ziel, das sich anzugehen lohnen würde.
Wenig hilfreich wäre, sich deswegen zu verdammen. Denn schlussendlich sind es nur zwei Betrachtungsweisen derselben Fragestellung: Welche Idee ist es wert, verfolgt zu werden? Jede hat ihre Vorzüge und Schattenseiten. Zu groß, zu klein, zu wenig attraktiv, unmöglich zu erreichen. Der erste Schritt ist eine Entscheidung, und die nimmt Dir keine Methode ab.
Und bei der Entscheidung darfst Du es entspannt angehen. Wenn Du da, wo Du bist, bereits glücklich und zufrieden bist, dann brauchst Du vielleicht gar kein Ziel. Sich mit Zielen herumzuschlagen, nur um ihrer selbst willen, macht weder zufrieden noch glücklich.
Wie ist es bei Dir? Stell Dir vor, Du würdest Dein Leben einfach weiterleben, genau so, wie es ist. Und am letzten Tag blickst Du zurück. Kannst Du Dir vorstellen, dann zu sagen: „Genau so und nicht anders! Das war ein gutes Leben!” Dann gehörst Du vermutlich zu den glücklichsten Menschen dieses Planeten.
Sollte Dir bei diesem Rückblick allerdings auffallen, dass Du das Eine oder Andere doch gerne noch verändern würdest, dann hast Du vielleicht schon die ersten Anregungen für Dein Ziel.
Wünsche und Träume der Kindheit
Alternativ hilft es, sich zurückzuerinnern: Was hast Du früher besonders gerne gemacht? Wann musste man Dich förmlich mit Gewalt aus einer Beschäftigung herausreißen, damit Du zum Abendessen kommst? Bei mir war es das Basteln an Technik, die eigentlich niemand kaputt gemacht haben wollte. Auch als Kind hattest Du Ziele. Du hättest es damals nur nicht so genannt.
Wenn wir Dinge wie Fernsehen und Zocken bis nachts um drei mal beiseitelassen: Vielleicht bleibt etwas übrig, das Du vermisst und gerne wieder in Deinem Leben hättest? Gerade den Träumen der Kindheit wohnt eine erstaunliche Kraft inne, wenn Du verstehst, was Du damals wirklich wolltest.
Verlerntes Träumen
Falls es Dir schwerfällt, Dich auf solche Gedankenspiele einzulassen, bist Du übrigens nicht „defekt”. Die meisten von uns haben im Laufe des Lebens schlicht verlernt zu träumen. Erziehung und Schule haben da ganze Arbeit geleistet, und das Arbeitsleben ist nur selten für Träumer gemacht.
Doch Träumen lässt sich wieder trainieren. Und damit öffnet sich auch die Tür zu Deinen Wünschen und Bedürfnissen wieder. Ein ganzer Artikel dazu: Ziele finden mit drei Techniken.

2. Warum willst Du dieses Ziel erreichen?
Wenn Du jetzt einige Ideen zur Auswahl hast, bleibt die Frage, welche davon Du verfolgen solltest.
Eine Frage hat dabei mehr gute Vorsätze und Pläne auf dem Gewissen als jede andere, denn mit Sicherheit beantworten kann sie niemand: Wird mich diese Idee auch morgen noch begeistern?
Nein, es gibt hier kein Hintertürchen und keinen doppelten Boden. Es bleibt das Risiko, dass Du in einem Monat oder einem Jahr feststellst, dass Dich Dein Ziel nicht mehr berührt. Dann darf man sich auch von einem Ziel trennen, selbst wenn schon viel Zeit und Arbeit darin steckt. Tote Pferde weiterzureiten bringt niemanden voran. Aus einer Laune heraus würde ich das allerdings nicht tun, das wird sonst schnell selbst zur Gewohnheit. Wo die Grenze zwischen ehrlichem Loslassen und heimlicher Flucht verläuft, dazu kommen wir in Tipp 10 noch.
Bevor Du ein Ziel über den Haufen wirfst, prüfe ernsthaft, ob Du gerade nur einen Deiner inneren Widersacher kennenlernen darfst. Die Auseinandersetzung mit ihm bringt Dich weiter, egal welchen Weg Du danach gehst.
Was Dir bei alldem hilft, ist die Frage nach dem Warum. Stell Dir vor, Du verfolgst ein Ziel und fragst Dich ehrlich, warum. Dabei landest Du unweigerlich bei den Grundfesten Deiner Persönlichkeit, gestützt von Werten, die Dich vermutlich seit Deiner Kindheit begleiten. Kannst Du Dir vorstellen, dass sich das in den kommenden Monaten signifikant verändert?
Ich mir auch nicht.
Deshalb lohnt es sich, in diese Vorarbeit Zeit zu stecken. Ziele wechselt man ja nicht wie die Schlüpfer. Sehenswert dazu: Simon Sinek über „Start with WHY”. Er hat ein altes Thema so griffig auf den Punkt gebracht, dass es hängen bleibt.
Auf dieselbe Frage setzt auch WOOP, die Methode, die wir bei zieltraum in den Erfolgs-Gruppen einsetzen. Beim W, dem Wish, steht genau das: Warum willst Du das? Dich ehrlich damit auseinanderzusetzen führt tief in den Kaninchenbau der Selbsterkenntnis. Bei mir hat es einiges verschoben. Ob es Deinem Weg denselben Vorsprung verschafft, findest Du nur selbst heraus.
3. Die SMARTe Zielsetzung
Kennst Du noch „1, 2 oder 3”? Diese alte Ratesendung, bei der Kinder von Feld zu Feld hüpfen, bis das „Plopp” den letzten Hopp ankündigt und sie sich festgelegt haben müssen. „Eingeloggt”, hieß das dort. Mir geht die Melodie bis heute nicht aus dem Kopf. Falls Du die Sendung nie gesehen hast… vergiss den Vergleich einfach wieder. Irgendwann ist jedenfalls Schluss mit Hüpfen, Du legst Dich fest.
Anders als in der Ratesendung darfst Du Deine Entscheidung später allerdings überprüfen. Wenn Du nach ein paar Wochen feststellst, dass es keine gute Wahl war, liegt es an Dir: Hat die Idee nur an Zauber verloren, weil sie jetzt mit Arbeit zu tun hat? Oder war es wirklich eine Schnapsidee?
Falls Du häufiger nach kurzer Zeit feststellst, dass die tolle Idee doch nichts war, dann ist das ein Muster. Eine Strategie in Deinem Leben, die Dich vermutlich schon ein paar Jahre begleitet. Für solche inneren Hindernisse gibt es Coaches. Es geht aber auch ohne: Setz Dir ein klares Ziel und bleib dran, bis es erreicht ist.
Wie man so ein Ziel formuliert? Ich leihe mir dafür aus dem Projektmanagement die SMART-Kriterien:
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Spezifisch Das Ziel ist so genau formuliert, dass ein unbeteiligter Dritter eindeutig erkennen könnte, was gemeint ist und ob es erreicht ist. Dazu im Präsens, z.B. „Ich laufe den Stadtlauf im September in unter einer Stunde.”
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Messbar Der Fortschritt lässt sich über die gesamte Laufzeit nachverfolgen. So siehst Du schnell, ob noch alles im grünen Bereich ist.
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Aktionsbezogen Hier wird es ein wenig schwieriger: Das Ziel muss durch Deine eigenen Aktionen erreichbar sein. Ziele, die Fremdeinwirkung benötigen, liegen nicht in Deiner Kontrolle. Ob Du im Lotto gewinnst oder die Beförderung bekommst, kannst Du nur begrenzt beeinflussen.
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Realistisch Sich Ziele zu setzen wie „Ich bin nächstes Jahr der erste Mensch auf dem Saturn” mag cool sein. Die Erfolgsaussichten sind überschaubar.
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Terminiert Das Ziel hat ein Datum, eine klare Deadline, zu der es erreicht sein soll.

SMART ist nicht das Maß aller Dinge. Aber es hilft, bei der Zielsetzung ehrlich mit sich selbst zu sein, weil es wenig Freiraum für Wischi-Waschi lässt. Nach der Formulierung hast Du meist auch schon eine Vorstellung, wie hoch der Preis an Engagement, Zeit und Geld sein dürfte. Da lohnt sich noch einmal die schonungslos ehrliche Frage: Ist es mir das wert?
Es gibt übrigens noch weitere Zielformeln mit klangvollen Namen, AROMA zum Beispiel. Auch hier gilt: Werkzeuge, keine Gesetze. Nimm die, die sich für Dich richtig anfühlt.
4. Zwischenziele: Etappen statt Mammutmarsch

Ich hab das selbst erlebt: Vor ein paar Jahren wollte ich vom Nicht-Läufer zum Halbmarathon. Als Informatiker mit reichlich Sitzfleisch, wohlgemerkt. Hätte ich bei jedem Training auf die 21 Kilometer und meine Wunschzeit geschaut, wäre das schnell deprimierend geworden: „Heute 7 km in einer Stunde geschafft. Danach ging erst mal nichts mehr. In dem Tempo wären die 21 km ein halber Arbeitstag. Ein Horror.”
Falls Laufen Dein Ziel ist: Schau mal bei Lightrunning vorbei. Dort hilft Dir Fanny speziell mit Laufzielen.
Wie also dranbleiben und trotzdem motiviert bleiben? Hier kommen die Zwischenziele ins Spiel, auch Milestones genannt.
Zum Einen gibt das Erreichen eines Zwischenziels einen Motivationsschub: Du kannst es feiern. Zum Anderen gibt es den Goal-Gradient-Effekt, so etwas wie die Zielgerade vor dem Ziel: Je näher wir dem Ziel kommen, desto mehr Reserven mobilisieren wir (Ran Kivetz und Kollegen haben das 2006 gezeigt). Mit Zwischenzielen holst Du Dir diesen Effekt viele Male statt nur einmal ganz am Ende. Und nebenbei siehst Du an jeder Etappe, ob Du bei gleichbleibendem Tempo Dein Ziel zum gesetzten Zeitpunkt erreichst.
Auch bei Zwischenzielen darf SMART helfen. Oder zumindest eine DoD, eine „Definition of Done” aus dem agilen Projektmanagement: eine unmissverständliche Beschreibung, wann genau das Zwischenziel als erfüllt gilt.
Was bei mir funktioniert: ein Zieleboard, auf dem die Milestones entlang eines Zeitstrahls hängen. Bei mir ist es ein Magnetboard, Post-its tun es genauso. So vergesse ich nicht, was ich schon geschafft habe, und die nächsten Etappen bleiben im Blick. Wer mag, hängt unter die Milestones noch die dafür nötigen Aufgaben. Dann entgeht Dir nichts mehr.

5. Erfolg hat drei Buchstaben
Toll geplant haben ihre Ziele schon viele. Doch der eigentliche Schlüssel besteht aus drei Buchstaben: TUN. Und wir wissen beide, dass das nicht so leicht ist, wie es klingt, sonst würdest Du diesen Beitrag gerade nicht lesen.
Zwei Dinge dazu, die nur Du mit Dir selbst ausmachen kannst.
Erstens, Zeit. Wenn am Ende des Tages nach der Arbeit und vor dem Pokerabend überraschend keine Zeit mehr für Dein Ziel blieb, wird das nichts. Plane Dir feste Zeiten ein, die Du für Deine Zielarbeit freihältst. Und beachte dabei den alten Grundsatz der Zeitplanung: nicht mehr als 60 % Deiner Zeit verplanen. Der Rest geht ohnehin für Überraschungen, Pausen und wichtige ungeplante Dinge drauf.
Zweitens, ein Vertrag mit Dir selbst. Nimm das ruhig wörtlich: einen förmlichen Vertrag aufsetzen, laut vorlesen wie beim Notar, mit dem besten Stift unterschreiben. Das geschriebene Wort hat besonderes Gewicht, ein solches Versprechen an Dich selbst bricht sich nicht so leicht. Ich bin ein Freund von handgeschriebenen Verträgen, schön geschrieben und so an die Wand gehängt, dass ich sie regelmäßig sehe. Wenn der Alltag mal wieder alles wegwaschen will, holt mich ein Blick an die Wand zurück. Klingt für Dich nach Theater? Verständlich. Probier es einmal aus, bevor Du es verwirfst. Mehr als einen Bogen Papier kostet es nicht.

6. Gemeinsam geht es leichter
Du kennst sicherlich die Fitnessstudio-Situation: Man meldet sich an, nimmt sich vor, regelmäßig hinzugehen, und nach wenigen Monaten beginnen die ersten Ausfälle. Dann werden es mehr, und schließlich besucht man das Studio nur noch sporadisch. Wenn überhaupt.
Bei Team-Sportarten ändert sich das. Vom Formationstanz über das Volleyball-Team bis zur Laufgruppe: Die Dranbleib-Quote steigt, je mehr Du Dich der Gruppe gegenüber verpflichtet hast. Bist Du das „Aufwärmen des Tages”, kannst Du unmöglich fehlen. Engagement in der Gruppe lohnt sich also doppelt. Und selbst als „nur” Mitläufer setzt Du Dich einem gewissen sozialen Druck aus, der Dir in diesem Fall hilft. Nimm ihn mit.
Such Dir Gleichgesinnte, mit denen Du trainieren kannst, oder was auch immer Dein Ziel ist. Bei zieltraum haben wir dafür die Community und die Erfolgs- und WOOP-Gruppen. Neben gegenseitiger Wertschätzung und Unterstützung gilt dort vor allem eines: Wir nehmen uns unsere Vorhaben gegenseitig ernst.
7. Hilfe annehmen ist erlaubt. Darum bitten auch.
Von vielen spirituellen Lehrern kennt man das Vorgehen: Visualisiere Deinen Wunsch und lass ihn los. Wunsch ans Universum, The Secret und Co. Ob das Universum tatsächlich liefert, kann ich Dir nicht sagen. Was ich beobachte: Über all das Loslassen vergessen manche zuzupacken, wenn ihnen jemand die Hand reicht.
Ich muss dabei immer an den Witz vom frommen Mann im Hochwasser denken: Er lehnt das Ruderboot ab, das Motorboot und den Hubschrauber, denn „der Herrgott wird mich retten”. Nach dem Ertrinken beschwert er sich an der Himmelspforte, und Petrus schüttelt den Kopf: „Wer, glaubst Du, hat Dir die beiden Boote und den Hubschrauber geschickt?”

Kurz: Du darfst Dir erlauben zu nehmen. Erstaunlich viele Menschen haben genau damit ein Thema. Und ich lege noch eins drauf: Du darfst sogar um Hilfe bitten. Es gibt wenig Nützlicheres, als sich mit Menschen zu umgeben, die bereits getan haben, was Du vorhast, oder die gerade mit vollem Ernst am selben Ziel arbeiten. Das gibt Energie und obendrein fachlichen Austausch.
8. Feiere Deine Etappen
Bei aller Disziplin und Selbstorganisation: Vergiss nicht, Dich zu belohnen.
Wir sind zwar alle erwachsen und unheimlich viel weiter, aber Belohnungen sind aus Kindertagen noch immer in uns verankert. Nutze dieses Wissen mit einer Wenn-Dann-Verknüpfung: WENN ich dieses Zwischenziel geschafft habe, DANN gehe ich in diesem Restaurant essen, gönne mir den Wellness-Tag oder kaufe mir endlich die Segeljacht. Gut, die Jacht vielleicht erst beim ganz großen Ziel. Die Belohnung darf zur Etappe passen, Hauptsache, sie tut Dir von Herzen gut.
Und wenn Du schon dabei bist: Rekapituliere ruhig die Aufgaben, die hinter Dir liegen, und lobe Dich fürs Dranbleiben. Das stärkt ganz nebenbei Dein Selbstvertrauen.

9. Eine Frage der Einstellung?
Lange hätte ich Dir hier ohne Zögern gesagt: Ob Du Dein Ziel erreichst, ist zu 90 % eine Frage Deiner Einstellung. Dann habe ich mich beim Schreiben dieses Artikels gefragt, woher ich diese Zahl eigentlich habe. Ehrliche Antwort: Sie ist gefühlt. Ich würde die Wette trotzdem eingehen, dass die Einstellung häufiger über Erfolg und Abbruch entscheidet als das Talent. Aber es bleibt eine Wette, keine Statistik.
Sicherer bin ich mir bei den Glaubenssätzen. Sätze wie „Ich bin das nicht wert”, „Das habe ich nicht verdient” oder „Wer bin ich denn, sowas zu wollen” stören Dich auf Deinem Weg, denn wir neigen dazu, unsere tiefen Überzeugungen zu bestätigen. Dazu passt die oft erzählte Geschichte von Roger Bannister: Die Meile unter vier Minuten galt lange als unmöglich, niemand schaffte sie. Kaum hatte Bannister 1954 die Marke geknackt, folgten weitere Läufer, der erste schon nach wenigen Wochen. Wie viel davon Psychologie war und wie viel bessere Trainingsmethoden, lässt sich im Nachhinein nicht sauber trennen. Ein schönes Bild dafür, was ein „Es geht doch” auslösen kann, ist es trotzdem.
An der Einstellung lässt sich arbeiten. Glaubenssatzarbeit mit einem Coach bringt einiges ins Rollen. Vieles kannst Du auch selbst anstoßen: Affirmationen, Selbsthypnose, Zielposter und Karten, die Dich immer wieder an Dein Ziel erinnern.
Und das Visualisieren? Hier wurde ich bei meiner Recherche gründlich korrigiert. Die Motivationspsychologin Gabriele Oettingen hat über Jahrzehnte gezeigt, dass reines positives Ausmalen des Ziels die Handlungsenergie sogar senken kann: Das Gehirn genießt den Erfolg schon im Voraus und fühlt sich angekommen. Wirksam wird das Zukunftsbild erst, wenn Du auch die erwarteten Hindernisse und ihre Lösung mit visualisierst. Genau das leistet WOOP, die Methode aus Oettingens Forschung, die wir auch in den zieltraum-Gruppen anwenden.
Dahinter steckt eine alte Eigenheit unseres Gehirns: Es sitzt in einem dunklen Hohlraum und erhält alle Informationen nur als Nervenimpulse. Bei intensiver Vorstellung werden teilweise dieselben Hirnareale aktiv wie beim tatsächlichen Tun, und häufig beschrittene Wege baut das Gehirn aus. Neuroplastizität nennen wir das. Wenn Du Dir wiederholt vorstellst, wie Du Dein Ziel erreichst und die Hindernisse dabei überwindest, wird dieser Weg für Dein Gehirn vertrautes Terrain. Eine Garantie ist auch das nicht, aber ein Vorsprung, den Du Dir selbst verschaffst.

10. Unveränderlich im Ziel, flexibel im Weg

Flexibel und starr, das ist die Zauberformel. So wie die japanischen Samurai-Schwerter aus gefalteten Lagen weichen und harten Metalls bestanden, so ist auch der Weg zu Deinem Ziel beides zugleich.
Viele sind hartnäckig in Bezug auf den einmal eingeschlagenen Weg, wenige in Bezug auf das Ziel. (Friedrich Nietzsche)
Hart, was Dein Ziel angeht: Bleib dabei. „Halbmarathon? Ach, die 10 km reichen auch, und die Zeit lassen wir gleich ganz weg”: Mit jedem solchen Abschlag lernst Du, dass Deine Zusagen an Dich selbst verhandelbar sind. Umgekehrt wächst mit jedem gehaltenen Wort das Vertrauen in Dich selbst, und genau dieses Selbstvertrauen brauchst Du auf dem Weg.
Weich und flexibel dagegen beim Plan. Kaum ein Plan überlebt das Projekt, und was Du Dir zu Anfang ausgemalt hast, stellt sich unterwegs oft anders dar. Wenn dieser Weg nicht funktioniert, nimm einen anderen. Egal wie schön der alte Plan war.
Bleibt die Frage aus Tipp 2: Wann ist Aufgeben ehrlich, wann ist es Flucht? Sei da schonungslos mit Dir. Hast Du gerade Angst anzukommen, oder war der Weg wirklich falsch? Wir nutzen solche Gelegenheiten gern unbewusst, um nicht ans Ziel zu kommen, einfach weil wir das Leben, wie es bisher war, kennen. Neues macht uns von Natur aus erst einmal Angst. Mein Halbmarathon von vorhin ist übrigens beides in einem: Als das Knie streikte, habe ich das Zeitziel begraben und bin trotzdem weitergelaufen, nur kürzer. Das Ziel dahinter, in Bewegung bleiben, steht bis heute.
11. Fokus: eine Sache, dann die nächste
Noch ein Tipp zum Selbstmanagement: Echtes Multitasking beherrscht unser bewusstes Denken nicht. Für das Gefühl von Parallelität schaltet das Gehirn schnell zwischen Aufgaben um, und dieses Umschalten kostet Energie.
Sorge also für ablenkungsfreie Arbeitsphasen, sie sind um ein Vielfaches produktiver. Mir hat es dabei die Pomodoro-Technik angetan: 25 Minuten vollkommen konzentriert an einem Thema, ohne Mail, Telefon oder Social Media. Danach eine kurze Pause. Die Ergebnisse sind beeindruckend. Probier es aus.

12. Der Rückblick: Review und Retrospektive
Zum Abschluss noch ein Werkzeug, das ich aus der agilen Projektwelt mitgenommen habe, in einfachen Worten: Schau in regelmäßigen Abständen zurück, zum Beispiel alle zwei Wochen oder an jedem Meilenstein.
Erst auf das Geschaffte (das Review): Was habe ich erreicht? Die kleinen Erfolge gehen sonst unter, und man fragt sich am Freitag, was man die Woche eigentlich gemacht hat.
Dann auf die eigene Arbeitsweise (die Retrospektive): Was lief besonders gut, was lief mies? Schuldfragen bringen Dich hier nicht weiter, schau lieber auf Deine Strukturen und Regeln. Merkst Du, dass Du Dich mit Deinen eigenen Regeln gerade ausbremst, dann ändere die Regeln.
Ich hab das selbst erlebt: Bei meinem Start mit Pomodoro habe ich mir die Pausen anfangs mit Mail-Lesen vertrieben oder die Arbeitsphase überzogen, bis die nächste ohne Pause hätte starten müssen. Ohne echte Pausen waren die produktiven Phasen bald keine mehr. In der Retrospektive fiel mir das auf, ich habe mich ab da an meine Pausen gehalten. Mit Erfolg.
Und was wurde aus Mia?
Das waren zwölf Werkzeuge, und Du brauchst nicht alle. Nimm Dir die zwei oder drei heraus, die Dich gerade ansprechen, teste sie ehrlich, und wirf weg, was für Dich nicht funktioniert. Genau dafür ist ein Werkzeugkasten da.
Ob Mia in jenem Jahr mit dem Rauchen aufgehört hat? Nicht in dieser Nacht, so viel stand um drei Uhr morgens fest. Warum ihr Rückfall trotzdem kein Scheitern war und was sie daraus gemacht hat, erzählt Rückfall und Neustart.
Ziele sind mein Herzensthema. Und ich wünsche Dir, dass Du Deine angehst, ohne Druck und in Deinem Tempo, damit Du am Ende zurückblicken und sagen kannst: Genau so und nicht anders.