Geben, Nehmen, Behalten: wie dein Geldbewusstsein deinen Umsatz steuert

Renate Schmidt zeigt auf der UnZiele Konferenz 2019, wie das eigene Geldbewusstsein den Umsatz begrenzt, und wie die drei Bewegungen Geben, Nehmen und Behalten wieder in Balance kommen.

Auf der UnZiele Online Konferenz 2019 sprach die Gestalt- und Traumatherapeutin und Integrale Businesscoach Renate Schmidt darüber, wie unser Bewusstsein über Geld den eigenen Umsatz begrenzt, und wie man diese inneren Blockaden wieder löst. Ihr Modell dafür sind drei Bewegungen: Geben, Nehmen und Behalten.

Geben: die Zehn-Prozent-Haltung

Schmidt beginnt mit einer Einladung: zehn Prozent des eigenen Einkommens an karitative Zwecke abzugeben. Der „Zehnte” tauche in allen Kulturen auf, die sich mit Spiritualität und Geld beschäftigen. Sobald man das durchrechnet, so beobachtet sie, fangen manche innerlich an zu zucken: aufs Jahr gerechnet können schnell größere Summen zusammenkommen.

Genau in diesem Zucken sitzt für sie das Geldbewusstsein. Denn das Geben habe wenig mit der Höhe des Betrags zu tun und viel mit einer Haltung: mit Demut, Dankbarkeit und vor allem mit dem Grundvertrauen, „das Geld kommt schon”. Wer diese zehn Prozent gibt, drücke Dankbarkeit dafür aus, in eine Gesellschaft eingebunden zu sein, die einem das Verdienen überhaupt ermöglicht. Der Anteil sei dabei unabhängig davon, wie viel man besitzt, und müsse nicht zwingend Geld sein. Sie zitiert (mit Vorbehalt) Karl Lagerfeld, der gesagt haben soll, er werfe sein Geld so gern zum Fenster hinaus, damit es mit seinen Freunden reichhaltig zur Tür wieder hereinkomme.

Nehmen: den eigenen Wert erkennen

Die zweite Bewegung fällt vielen schwerer. Schmidt erzählt von einer selbstständigen Frau, die ihre Rechnungen schlicht nicht stellte, und sich damit selbst ruinierte. Der Grund saß tief: Sie fühlte sich der Bezahlung nicht wert. Dabei war sie promoviert, hatte studiert und jahrelang in ihrem Feld gearbeitet, und sagte trotzdem: „Das war doch nichts.”

Für Schmidt ist das der Kern des Problems. Was uns selbst zutiefst vertraut ist, nehmen wir gar nicht mehr als etwas Besonderes wahr: die eigene Gabe läuft „wie ein Genuss im Hintergrund” mit. Der erste Schritt sei deshalb, den Wert des Gegebenen wieder wahrzunehmen, Abstand zu nehmen und sich durch die Augen anderer neu zu entdecken. Sie verknüpft das mit dem Annehmen von Komplimenten und mit kulturellen Mustern von Männlichkeit und Weiblichkeit: der Frau, die gibt. Geld anzunehmen bedeute auch, die Macht anzunehmen, die darin liegt: Selbstwirksamkeit, die sie als eine Kompetenz der Zukunft beschreibt. Beim Thema Preisgestaltung zeige sich das direkt: Viele Selbstständige stiegen viel zu niedrig ein, weil sie den eigenen Wert nicht erkennen. Und dem Einwand „zu teuer” hält sie entgegen: zu teuer im Vergleich wozu, und was würde es kosten, bestimmte Dinge nicht zu tun?

Behalten: das Geld im Blick behalten

Die dritte Bewegung führt Schmidt zu den Glaubenssätzen. Sie berichtet von einem Mann, dessen Konto am Monatsende unabhängig vom Gehalt immer bei null lag. Dahinter fand sich der Satz: „Es darf nur zum Nötigsten reichen.” Genau so floss das Geld auch: es rann einfach weg.

Ihr Gegenmittel ist Überblick. Eine Klientin begann, ein Haushaltsbuch zu führen, heute bequem per App. Der Effekt: Nicht das Geld beherrschte sie mehr, sondern sie das Geld. Sie fühlte sich reicher, obwohl die Gesamtsumme kaum gewachsen war, weil sie nicht länger vom Gefühl des Mangels gejagt wurde, sondern bewusst Entscheidungen traf, Ja und Nein sagte. Beim genauen Hinsehen entdeckten Menschen doppelte Versicherungen oder kleine tägliche Ausgaben, die sich auf hundert Euro im Monat summierten. Zum Behalten gehört für sie auch die Frage, wie man Geld sinnvoll anlegt, je nach Lebensphase.

Fülle statt reinem Reichtum

Über allem steht für Schmidt der Begriff Fülle, für sie deutlich mehr als Reichtum. Reichtum sei nicht nur monetär: Für die eine ist es die teure Uhr, für die andere die Freiheit ihres Kindes. Fülle beschreibt sie als „das Bewusstsein, im Plus zu sein”, als das Gefühl, eingebunden zu sein und dass die Dinge zu einem kommen, entstanden aus Dankbarkeit.

Ihre eigene Geschichte macht das anschaulich: aufgewachsen an einer Tankstelle, wo sie ihr erstes Geld verdiente, das erste Programm auf dem C64, dann das Studium über den zweiten Bildungsweg, mit rund 50 Mark pro Woche und chronisch knapp bei Kasse. Genau daraus wurde ihre Frage, wie das eigene Bewusstsein den Geldfluss bestimmt. Später stand sie als Frau auf der Chinesischen Mauer, finanziert vom selbst verdienten Geld, und wünscht sich, dass alle Menschen auf ihrer ganz persönlichen „Chinesischen Mauer” stehen können. Als „Trüffelschwein” spürt sie die Blockade auf, die mehr Umsatz verhindert, bei Selbstständigen ebenso wie bei Angestellten in Gehaltsverhandlungen.

Glaubenssätze prüfen, mit einer Prise Humor

Hinter jedem Geld-Glaubenssatz stecke eine reale Erfahrung, die weitergegeben werde, sagt Schmidt, etwa die in der DDR verbreitete Überzeugung, Geld hätten nur die, die es unrechtmäßig bekamen. Entscheidend sei die Prüfung: Stimmt dieser Satz noch für dich, für den Ort, an dem du heute stehst? Ihre Einladung an die Zuschauer: sich ein bis drei Bereiche aus Geben, Nehmen und Behalten herauszusuchen und dort genau hinzuschauen. Und weil sie kreativ und mit Humor arbeitet, verrät sie zum Schluss ihren Trick gegen das Gefühl, Geld sei anrüchig: Sie bestreicht ihre Geldscheine mit teurem Rosenöl: „mein Geld stinkt nicht”.


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