Ziele-Zombies: Warum die richtigen Ziele aus dem Herzen kommen
Zieltraum-Coach Holger Theymann über seine 'Un-Ziele', den Weg aus dem Burnout und den inneren Kritiker, und drei alltagstaugliche Werkzeuge, um die eigenen wahren Ziele zu erkennen.
Im Rahmen der „Erkenne Deinen Widersacher Challenge” spricht Zieltraum-Coach Holger Theymann darüber, was Menschen von ihren wahren Zielen abhält, und mit welchen Werkzeugen sie den Zugang dazu wiederfinden.
Un-Ziele statt Ziele-Zombies
Holgers großes Thema sind die „Un-Ziele”, ein zugegeben komisches Wort, wie er selbst einräumt. Statt bei der Arbeit an einem Ziel anzusetzen, beginnt er ein Stück davor: bei der Frage nach dem Warum. Seine Erfahrung dahinter ist simpel: Menschen, die ihre wirklichen Ziele leben, sind schlicht glücklicher, und mit ihnen zusammen zu sein macht mehr Freude. Das Gegenbild nennt er „Ziele-Zombies”: Menschen, die durchaus Zielen hinterherrennen (dem nächsten größeren Auto, dem schöneren Haus, dem Springbrunnen im Vorgarten) und trotzdem jeden Morgen mit müdem Gesicht in der U-Bahn zur Arbeit sitzen. Genau dagegen möchte er etwas tun: nicht mit Zielen, die Menschen kaputtmachen, sondern mit solchen, die Gesichter zum Lächeln bringen.
Der Weg führte über einen Burnout
Wie er selbst zu diesen Fragen kam, erzählt Holger offen, und räumt ein, sich bis heute als Suchender zu verstehen. Er kam den klassischen Weg: als Softwareentwickler und Projektleiter, mit frühem Aufstehen, langen Wegen zum Kunden, spätem Feierabend und, wie er selbst zugibt, ein paar Beweisfotos zu schnell gefahrener Autos auf der Autobahn. Bis der „freundliche Paukenschlag” kam: ein Burnout. Vorher hatte er Menschen mit Burnout für Weicheier gehalten, die nicht wüssten, wo sie hinwollen: Er selbst wusste es ja, er wollte den Bereichsleiter-Posten und riss sich dafür den Allerwertesten auf. Die Frage, wie ihm das trotz klarer Vision passieren konnte, brachte ihn zum Umdenken. Über Jahre und über eine NLP- und Coaching-Ausbildung reifte die Erkenntnis: Ziele dort zu beginnen, wo sie klassisch beginnen, ist gar nicht der richtige Punkt. Wenn jemand sagt „hilf mir, am Jahresende 100.000 mehr auf dem Konto zu haben”, stecken dahinter meist ganz andere Bedürfnisse, und genau dorthin lohnt sich der Blick.
Jeder Mensch funktioniert anders
Das Wichtigste an seiner Arbeit ist für Holger die Individualität. Menschen ticken nach unterschiedlichen Mustern: Was für den einen die perfekte To-do-Liste ist, führt den anderen geradewegs in den Frust. Der entscheidende zweite Schritt nach dem Erkennen der eigenen Ziele ist deshalb die Frage: Wie funktioniere ich eigentlich wirklich, und was zahlt tatsächlich auf meine Ziele ein? Ziele selbst hält er nicht für schlecht: Das Konzept sei großartig, man müsse nur die richtigen Ziele für die jeweilige Person einsetzen. Und es könne sehr gute Gründe geben, ein Ziel bewusst loszulassen, statt sich in die Tasche zu lügen.
Mut, Ehrlichkeit und der Blick vom Lebensende
Dazu gehören Mut und Ehrlichkeit sich selbst gegenüber, für Holger eine der härtesten Übungen: sich einzugestehen, wo man einfach nicht gut ist, statt es schönzureden. Wer das weiß, kann sein Leben passend gestalten und etwa die Steuer an einen Assistenten abgeben. Entwicklung, sagt er, führe durch den Schmerz; ohne den Burnout wäre er nicht da, wo er heute ist. Sein Lieblingsbild dafür ist der Blick vom Lebensende: sich als alter Mann mit Angelrute am Steg vorzustellen und zurückzublicken, was wirklich wichtig war. Das Auto, so seine klare Antwort, spielte dabei keine Rolle: ein nettes „Nice to have”, solange es nicht wehtut, aber kein Grund, Kredite aufzunehmen oder die Familie zu vernachlässigen.
Der innere Kritiker als Widersacher
Als seine Schlüsselfähigkeit beschreibt Holger eine Art „Trüffelschwein”-Blick für Strukturen und Probleme: Er erkenne früh, wo es krachen wird, während ihn das klassische Abarbeiten langer Listen eher lähmt. Diese Stärke hat eine Kehrseite: einen inneren Kritiker, der ihn, gerade als Perfektionist, bei jedem Schritt nach außen begleitet. Beim Gedanken, dass eine Million Menschen einen Kurs oder ein Interview sehen könnten, meldet der sich prompt mit der Frage, ob er überhaupt jemandem geholfen habe. Holger hat gelernt, ihn zu nutzen (er sporne an, Feedback einzuholen und besser zu werden), ihn aber „an der Leine zu führen”. Bekäme er freie Hand, käme nichts je zu einem Ende.
Jeder handelt aus seiner besten Option
Seine innere Haltung fasst Holger mit einem Satz aus dem NLP zusammen: Jeder handelt aus seiner besten verfügbaren Option heraus. Wer einen im Straßenverkehr schneidet, hat vielleicht gerade einen guten Grund, den man von außen nie sieht. Menschen zuzugestehen, dass sie im Rahmen ihrer Möglichkeiten ihr Bestes geben, hilft ihm, das Herz zu öffnen, auch gegenüber denen, die (noch) nur flach ihren Zielen folgen. Wenn jemand in seinem Ding bleiben möchte, sei das in Ordnung; es gebe eine richtige Zeit fürs Coaching, und die lasse sich nicht erzwingen.
Drei alltagstaugliche Werkzeuge
Zum Abschluss gibt Holger drei praktische Tipps:
- Probleme von hinten betrachten. Von vorn wirkt ein Problem riesig, von der Zukunft aus (so weit gedacht, wie es zur Lösung braucht) schrumpft es oft auf greifbare, mit einfachen Schritten lösbare Fakten zusammen.
- Ist es meine Lebenszeit wert? Jede Sekunde ist unwiederbringlich. Die ehrliche Frage, ob man das gerade Getane auch tun würde, wenn man alle Möglichkeiten der Welt hätte, schafft Klarheit, auch bei unternehmerischen Entscheidungen, etwa ob man eine Aufgabe besser abgibt.
- Drei tiefe Atemzüge zwischen zwei Aufgaben. Ein Tipp aus seiner Burnout-Behandlung: nach einer erledigten und vor der nächsten Aufgabe bewusst dreimal tief durchatmen, ohne an Vergangenes oder Kommendes zu denken, nur beim Atem sein. Dreißig Sekunden, die spürbar entlasten.
Alle drei, so Holger, seien sofort anwendbar. Und ganz wichtig ist ihm zum Schluss: Das alles darf auch Spaß machen.