Working Out Loud: Mit fünf Prinzipien und einem Zirkel ans Ziel

Auf der UnZiele Online Konferenz 2019 stellt Coachin Steffi Leiber die Methode Working Out Loud vor: fünf Prinzipien und ein kleiner Zirkel, die helfen, Ziele gemeinsam und sichtbar zu erreichen.

Steffi Leiber, Trainerin und Coach für Führungskräfte- und Organisationsentwicklung, war zu Gast auf der UnZiele Online Konferenz 2019. In ihrem Vortrag stellt sie eine Methode aus der agilen Zusammenarbeit vor, die man auch ganz privat für die eigenen Ziele nutzen kann: Working Out Loud, kurz WOL.

Von der Rennstrecke zur agilen Zusammenarbeit

Leiber ist beruflich weltweit als Trainerin, Beraterin und Coach unterwegs und trifft dabei immer wieder auf Menschen und Organisationen, die sich Ziele setzen und diese erreichen wollen. Sie versteht sich als Unterstützerin auf diesem Weg. Privat engagiert sie sich im Mentaltraining für Kinder und Jugendliche: Sie hilft ihnen, sportliche Ziele zu erreichen, und legt Wert darauf, dass sie das Gelernte auf Schule und Beruf übertragen. Dass Ziele auch ihr eigenes Leben prägen, macht sie an einem Beispiel deutlich: Sie kommt aus dem Leistungssport, und nach einem Bandscheibenvorfall arbeitete sie sich, wie sie erzählt, “vom Rollstuhl zur WM in 20 Wochen” zurück, ein schweres Ziel, das sie erreicht hat und dessen Glücksgefühl sie bis heute trägt.

Ihr Herzensthema sind Agilität und Digitalisierung. Agilität sei eine Antwort auf eine Welt, die immer komplexer und dynamischer geworden ist: von kompliziert über komplex bis chaotisch. In diesem Umfeld hätten sich Methoden der agilen Kollaboration herausgebildet, zu denen Working Out Loud gehört.

Working Out Loud: sichtbar werden statt im Silo arbeiten

Der Name führe leicht in die Irre, erklärt Leiber: Es gehe nicht darum, sich laut anzubrüllen, sondern darum, sichtbar zu werden. Die Grundidee kursiere seit rund 2010 und gehe auf Williams zurück; Stepper habe daraus eine frei zugängliche Methode gemacht. WOL stammt aus der Arbeitswelt und richtet sich gegen das Silodenken: dagegen, dass jeder für sich arbeitet, ohne zu wissen, dass andere am selben Thema sitzen. Leiber zitiert dazu einen Satz über IBM: “IBM weiß gar nicht, was IBM alles weiß.” Genau dieses Für-sich-Behalten von Wissen erlebe sie auch unter Coaches, und WOL sei die Einladung, dieses Wissen endlich zu teilen.

Die fünf Prinzipien

Leiber führt durch die fünf Prinzipien der Methode:

  • Beziehungen: Nicht möglichst viele Kontakte zählen (sie nennt das Beispiel der 1.500 Facebook-”Freunde”), sondern Qualität vor Quantität, und Kontakte, die zum eigenen Ziel passen. Entscheidend sei der Perspektivwechsel von “Was bringt mir das?” zu “Welchen Mehrwert gebe ich?”.
  • Großzügigkeit: Wissen, Ideen und Erkenntnisse teilen, auch die eigenen “Lessons Learned”: Fehler weitergeben, damit andere sie nicht wiederholen. Manchen falle das Teilen leicht, anderen schwer; das sei ein guter Anlass zur Selbstreflexion im Zirkel.
  • Sichtbares Arbeiten: Das eigene Tun sichtbar machen. Dieselbe Technik, die man manchmal verfluche, ermögliche überhaupt erst diese Konferenz und bringe Menschen aus verschiedenen Wissensbereichen zusammen.
  • Zielgerichtetes Entdecken und Fokus: “Focus leads energy”: Wo der Fokus ist, fließt die Energie hin. Das Programm sei bewusst auf zwölf Wochen angelegt, und der Zirkel helfe, sich immer wieder neu zu fokussieren.
  • Wachstumsorientiertes Denken: Die Welt sei voller Möglichkeiten. Als Beispiele nennt sie den Weltraumtourismus, der lange wie eine Illusion wirkte, und Tesla, das ein Auto in neun Monaten auf die Straße gebracht habe, durch Fokus und agile Zusammenarbeit.

Der Zirkel als angstfreier Raum

Umgesetzt wird WOL in einem kleinen Zirkel aus drei bis fünf möglichst unterschiedlichen Menschen: vom Coach über den Handwerker bis zur alleinerziehenden Mutter oder zum Vater. Je diverser die Gruppe, desto eher komme man dem Ziel näher. Eine Stunde pro Woche über zwölf Wochen, in kleinen Schritten; die Guidelines dazu gebe es frei auf Steppers Website. Für Leiber ist der Zirkel vor allem ein angstfreier Raum: ein Ort, an dem man über Gelungenes und Nicht-Gelungenes sprechen kann, ohne Bewertung: kein “Nachsitzen”, sondern gemeinsames Reflektieren, was einen in dieser Woche am Ziel gehindert hat. Agilität heiße für sie, dass die Menschlichkeit in den Vordergrund tritt und im Zirkel zuerst Vertrauen aufgebaut wird.

Die erste Übung: Ziel und Beziehungsliste

Zum Abschluss macht Leiber mit dem Publikum die erste Zirkel-Übung, nur mit Stift und Zettel. Zuerst schreibt jeder sein Ziel auf, ob beruflich oder privat, formuliert so, dass es ein Lächeln auslöst (ihr Beispiel: “Ich möchte trommeln lernen”). Dann eine Minute Brainstorming: alle Personen, Organisationen und Gruppen notieren, die mit dem Ziel in Verbindung stehen. Anschließend bewertet man jeden Kontakt von 1 (kennt man gar nicht, nur davon gehört) bis 5 (regelmäßiger Kontakt). Die Aufgabe bis zum nächsten Treffen: nicht jeden Kontakt auf 5 bringen, sondern die Qualität der Beziehungen verbessern, und die Liste um mindestens fünf weitere Kontakte erweitern, gezielt mit Blick aufs eigene Ziel.

Ihr Versprechen zum Schluss: Die gemeinsame Arbeit in einem WOL-Zirkel setze so viel Energie frei, dass man seinem Ziel ganz sicher näherkomme.


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