Ich will eine Pause!

Ich will eine Pause! Keine 5 min, nein: Richtig Pause machen! So mit “Kopf endlich mal wieder richtig frei kriegen” und endlich mal nicht das Gefühl haben, gejagt zu werden von meinen 134.658 Aufgaben.

Ich kann nicht mehr! Jeden Tag gegen den Social-Media-Strom anschwimmen. Posten, posten, kommentieren… alles um nicht vergessen zu werden. Um vielleicht doch eine Marke aufbauen zu können, vielleicht doch als Coach erfolgreich zu werden.

Was war?

Vergessen.

Schnell eine Tasse Kaffee holen – Dann geht es weiter…

Willkommen in meinem Kopf

Werbung schalten, den Kongress bewerben, Herzblut hinein stecken, über den eigenen Schatten springen. Und etwas geschockt die Auswertung sehen: 8,53 € pro Klick? Wahnsinn. Dann lieber wieder abschalten.

Wieso?

Die Beobachtung:
Jeder 100. Besucher der Webseite bucht den kostenlosen Kongress.
Jeder 10. Besucher eines Kongresses bucht das Premium-Programm.

Die Rechnung:
8,53 x 100 x 10 = 8.530 € pro Teilnehmer in einem Programm für 360 € im Jahr.

Nicht nur, dass ich ein Werbe-Budget von 853.000 € bräuchte, um die 100 Teilnehmer in mein Programm zu bekommen, die finanziell dafür sorgen würden, dass ich mich voll um diese Gruppe kümmern könnte…
Bis der ROI (return of investment) erreicht wäre, müsste jeder Teilnehmer 23,7 Jahre zahlendes Mitglied bleiben. Und das nur um das Werbebudget auszugleichen. Gelebt hätte ich in diesen 23,7 Jahren dann von Luft und Liebe.

Kurz: Irgendwas passt da noch nicht.

Wie haben das Andere geschafft? Ist die Zeit des sichtbar Werdens über Facebook vorbei? Müssen neue Strategien her? Oder ist meine Werbung einfach zu schlecht?

Orientierung

Zugegeben: Ich sollte vielleicht meinen eigenen Ratschlag befolgen und manche Dinge von Experten erledigen lassen. GERADE weil Geld und Zeit knapp sind.

Oder will ich noch 5 Jahre auf Minimum vor mich hin vegetieren?

Gerade stelle ich fest, wie mich das Schreiben vom ursprünglichen Titel entfernt hat: Ich will eine Pause.

Doch, wenn man darüber nachdenkt: So weit fort haben mich meine Gedanken gar nicht getrieben.

Will ich wirklich eine Pause?

Ja! Will ich! Ich will eine Pause. Pause machen, die Füße hoch legen und endlich meine Ruhe haben. Doch wovon?

Ich will eine Pause. Wirklich!

Ich will eine Pause davon, teuer Werbung zu schalten, die dann nicht konvertiert!

Ich will eine Pause von Kooperationen, bei denen ich nur drauf zahle.

Ich will eine Pause vom Schreiben auf Facebook. Ich treffe ja offensichtlich nicht den Nerv der Zeit für die digitale Bildzeitung, sondern stecke nur Unmengen an Zeit in ein schwarzes Loch.

Ich will eine Pause von Fehlinvestitionen in Firmen, die viel versprechen und mich nach halb getaner Arbeit sitzen lassen. (Ja, Verträge mit horrenden Strafen hätten das verhindern können… ich werde das für die Zukunft ergänzen 😀 )

Ich will eine Pause davon, mir über Verträge und Rahmenbedingungen den Kopf zu zerbrechen. Bis hin zu der Frage, ob mein Geschäftsmodell durch Artikel 13 nicht sowieso unhaltbar wird.

Ich will eine Pause von der Frage: Wenn es so viel Widerstand in meinem Business gibt, bin ich dann auf dem richtigen Weg? Sollte es nicht leicht gehen, wenn ich meinem Herzen folge? Folge ich denn meinem Herzen? Höre ich mein Herz unter dem ganzen Geschrei in meinem Leben überhaupt?

Ich will eine Pause davon, eine Pause zu brauchen. Wo ist denn meine ganze Energie hin? Kaum springen in meinem CoCreation-Projekt 50% der Leute spontan ab, schon stelle ich die Idee in Frage und bin energielos und platt?

Ich will eine Pause. Denn ich will mit meinen Projekten richtig durchstarten.

Pause machen - ich will eine Pause
Durchstarten? Dann mach mal Pause.

Heul nicht – Was willst Du denn?

Ich will mein Ziel noch klarer formulieren.

Ich will mir mehr Zeit für mich nehmen um auf mein Herz zu hören.

Ich will mit Partnern arbeiten, die mich ebenso unterstützen, wie ich sie.

Ich will Vereinbarungen treffen, die auch eingehalten werden.

Ich will mit voller Energie meinem Traum folgen.

Denn wann bin ich am begeistertsten? Wann bekommt mein Gesicht Farbe und ich sprühe und sprudle auf ein Mal über vor Energie?

Wenn ich Menschen helfen kann. Besonders als Coach. Wenn ich die Schwachstellen ihrer Strategien erkenne, die sie abhalten ihre Ziele zu erreichen. Wenn ich Dir helfen kann, Deine Berufung und Deine Stärken zu erkennen. Denn ich will Dir helfen, Dein Licht zu entzünden.

Puh. Das klingt ja fast, wie die Neujahrsansprache der Kanzlerin…

Dein Licht entzünden?

Nein! Das muss ich gar nicht.

Dein Licht war schon immer da. Du warst schon immer großartig und hast diese Stärken auch schon vor unserem Gespräch. Ich helfe Dir nur, den dicken Vorhang aus Selbstzweifeln zu entfernen und die Luftzufuhr für Dein Leuchtfeuer wieder zu öffnen.

Atme, lebe, strahle!

Marathon als Weg zum Ziel

Zu meiner Schulzeit war ich leidenschaftliche Handball-Torhüterin. Ich trainierte mehrmals die Woche. “Gutes Training ist der Weg zum Ziel” dachte ich mir. Und ich freute mich besonders auf die Turniere, meine Saison-Highlights.

Eine Saison glich der Anderen. Training, Training, Training. Dann die großen Turniere.

Bis ich eines Tages, nach bereits mehreren Spielen an dem Tag bei einem solchen Turnier im Tor stand und meine Mannschaftskameradinnen über das Feld laufen sah – hin und her. Ich fragte mich, wie viel sie eigentlich insgesamt laufen. “Da könnte ich ja glatt einen Marathon laufen”. Das war mein erster Gedanke an einen Marathon. Jedoch verschwand er auch wieder so schnell, wie er aufgetaucht war und das für viele Jahre bis 2013.

Doch verschwand er nie ganz. Im Jahr 2013 war in meiner Firma ein Stadtlauf mit einem Halbmarathon ausgeschrieben. Und ich merkte, dass ich es gerne wüsste. Schaffe ich einen Halbmarathon? Wie wäre das Gefühl auf dem Weg zum Ziel? Doch leider konnte ich nicht teilnehmen, da ich beruflich genau zu diesem Datum auf einer Fortbildung war. Zwar fand ich es sehr schade, doch gleichzeitig freute sich ein Teil von mir, dass ich mich dieser Herausforderung nicht stellen musste. Und wieder war der Gedanke damit erst mal abgehakt. Für genau 712 Tage.

Der Halbmarathon als Weg zum Ziel: Marathon

Nicht ohne gezieltes Training

2015 dann gab es allerdings keine Ausrede mehr. Ich zögerte, ob ich das als Gelegenheits-Läuferin wirklich schaffen könnte und beriet mich mit einem damaligen Freund und Lauftrainer.

Er war zuversichtlich, dass ich einen Halbmarathon mit gezieltem Training laufen könnte, doch an der Zielzeit zweifelte er. Jetzt war es soweit. Mein Ehrgeiz war gepackt und ich meldete mich an. Es gab es kein Zurück mehr und ich wollte es durchziehen. “Träumen oder Machen” war meine damalige Devise. Also suchte ich mir aus einem Lauf-Buch einen Trainingsplan raus und fing mit meinem Training an.

Gezieltes Training war im Gegensatz zu meinem bisherigen laienhaften Hobby-Training eine große Umstellung. Ich machte viele Fehler und nutzte so fast jede Lernchance, die sich mir bot.

Schritt für Schritt zum Marathon als Weg zum Ziel

Dennoch merkte ich schon bald eine große Verbesserung meiner Fitness. Ich war auf meinem Weg zum Ziel und trainierte hart für meine Zielzeit von unter 2 Stunden. Ich meldete mich bei einem Triathlonverein an, um Unterstützung und Antworten auf meine Fragen zu bekommen. Leider bekam ich dort nur sehr wenige für mich nützliche Tipps.

Mit jedem Tag rückte der Halbmarathon näher und in den letzten Trainingseinheiten bin ich meiner Zielzeit schon sehr nahe gekommen. Das war für mich die Bestätigung: Ich konnte es schaffen. Der Weg zum Ziel war frei!

Halbmarathon in Stuttgart

Sehr aufgeregt und hin und hergerissen bin ich also am Tag des Stadtlaufs zum Startpunkt gegangen. Ich wusste, dass ich es schaffen kann und dennoch fragte ich mich immer wieder, ob ich auch an diesem Tag meine Leistung abrufen kann.

Der Startschuss fiel und ich lief und lief und lief. Und nach 1h53min genoss ich die letzten Meter auf meinem Weg zu Ziel. Die Stimmung trug mich und ich war Überglücklich. Ich war in diesem Moment zwar einfach nur k.o. doch gleichzeitig so überwältigt von den Emotionen, dass ich meine Erschöpfung erst viel später richtig spürte.

Wenn Laufen zur Gewohnheit wird

Da für mich inzwischen das Laufen zu einem festen Bestandteil meines Tages geworden war und es mir so gut tat, wollte ich an diesem Punkt nicht aufhören. Die Gedanken an den Weg zum Ziel beim Halbmarathon waren noch so präsent und ich fragte mich, ob ich vielleicht doch auch einen Marathon in ähnlichem Tempo laufen könnte. Also in weniger als 4 Stunden.

Diese Frage ließ mich nicht mehr los und so meldete ich mich mit zitternden Händen zum Marathon an.

Wie ich mich zum Marathon motivierte

Ich wollte es all den Zweiflern zeigen

Ich trainierte nun seit 3 Monaten, war völlig k.o. vom Halbmarathon und wollte in nur 3 weiteren Monaten einen Marathon laufen. Die meisten Leute in meinem Umkreis hielten mich für verrückt. Genau das spornte mich noch mehr an. Ich wollte für mich meine Komfortzone verlassen und diesen Marathon laufen. Natürlich wollte ich es auch allen Zweiflern zeigen. Ich erzählte fast überall von meinem Ziel. Damit setzte ich mich zwar selbst noch etwas mehr unter Druck, denn blamieren wollte ich mich auf keinen Fall. Doch es half mir sehr auf dem Weg zu meinem Ziel. Denn so trainierte ich fleißig bei Sonnenschein wie auch bei Regen. Ich erhöhte sogar die Häufigkeit und Intensität meines Trainings. Ich wollte es unbedingt schaffen und träumte weiterhin von meinem Zieleinlauf unter 4 Stunden.

Fanny Theymann entdeckt den Marathon als Weg zum Ziel

Regelmäßige Nachfragen wie denn das Training läuft und wie viel ich am Wochenende gelaufen bin motivierte mich regelmäßig aufs Neue. Selbstverständlich waren auch immer Zweifel da, aber ebenso unglaubliche Motivation und ich glaube ich war noch nie vorher so diszipliniert und zielstrebig gewesen.

Der Rückschlag

Die ersten Wochen des Trainings liefen gut und nach Plan. Doch dann bekam ich eine Verletzung im Bein und durfte nicht laufen – 6 Wochen lang. Ich fragte mich nur einen Moment ob es das Aus für mein Ziel ist. Doch diese Frage konnte ich entschieden mit Nein beantworten, so sehr wollte ich diesen Marathon laufen. Ich war zwar enttäuscht und dennoch war ich mehr denn je auf mein Ziel fokussiert.

Nach wenigen Tagen waren die Schmerzen verschwunden und ich durfte und sollte sogar Gehen und das Bein bewegen. Damit nahm ich mein Training wieder auf. Diesmal nicht laufend sondern gehend. Es kostete mich fast doppelt so viel Zeit – Tag für Tag. Wochenends bin ich die langen Laufeinheiten von 30 km gegangen und war stundenlang unterwegs. Doch ich konzentrierte mich auf mein Ziel. Andere Dinge wurden unwichtig und mussten einfach zurückstecken. Ich wollte diesen Marathon finishen.

Unter diesen Umständen geriet auch die Zielzeit von unter 4 Stunden etwas in den Hintergrund, doch sie blieb in meinem Kopf wie eingebrannt. 3 Wochen vorm Marathon durfte ich wieder richtig trainieren und so absolvierte ich die letzten Laufeinheiten voller Vorfreude aber auch mit Respekt.

42,195 km sind, wie ich im Training feststellen durfte, in der Tat eine große Distanz und ordentliche Herausforderung. Am Tag des Marathons stand ich sehr früh auf und fuhr ich mit ordentlichem Herzpochen die Strecke zum Ort des Marathonlaufs.

Der Weg zum Ziel beginnt

Ein erfahrener Ironman und Marathon-Läufer wollte mich während des Laufs begleiten und meinen Pace-Maker (Zugläufer oder in seinem Fall auch Antreiber) machen. Das beruhigte mich etwas. Dennoch war ich tierisch nervös.

Doch dann viel der Startschuss und ich lief einfach los. Es gab mit jedem Kilometer unzählige verschiedene Gedanken, doch ich lief immer weiter und weiter.

Einsteinmarathon in Ulm

Die marathon Strecke

Die erste Hälfte des Marathons war für mich einfacher als der Halbmarathon zuvor und dennoch gab es Zweifel, ob ich noch einmal dieselbe Strecke, also die zweite Hälfte, laufen kann.

Es gab jetzt allerdings kein Zurück mehr. Wenn ich jetzt aufgeben würde, dann hätte ich zu viel dafür bezahlt. Ich war 1000 Trainingskilometer für diesen Marathon in den letzten 6 Monaten gelaufen bzw. gegangen. Und bereits die Hälfte meines Marathons lag hinter mir.

So wurde es mit jedem weiteren Kilometer immer absurder aufzugeben. Ich hatte zwar unglaublich schmerzhafte Blasen an den Füßen aber sonst war ich noch fit und konnte noch einen Schritt machen und noch einen usw. Ja es war anstrengend und mühsam. Aber es war ja auch kein Spaziergang.

Körperlich war ich so fit auch die letzten paar Kilometer noch zu laufen und in Gedanken stellte ich mir bereits vor, wie ich über die Ziellinie laufe. Es war zwar fraglich, ob ich meine Zielzeit erreiche, doch ich gab mit jedem Schritt mein Möglichstes. Ich machte immer nur den einen Schritt – Schritt für Schritt.

Dann waren es nur noch 2-3 Kilometer und ich wusste, ich würde in wenigen Minuten durch das Ziel laufen. Als am Rand eine Zuschauerin dann anfeuerte und sagte es sei nur noch knapp ein Kilometer überwältigten mich die Emotionen. Ich  war ergriffen von den Erlebnissen auf dem Weg bis zu diesem Ziel und unendlich stolz auf meine Leistung.

Je mehr ich dann in Richtung Ziel lief, desto mehr Zuschauer standen am Rand und gefühlt wurde ich getragen. Ich begann zu fliegen und lief mit einer Leichtigkeit als wäre ich gerade erst losgelaufen und unter Tränen in das Ziel nach 3h:56 min umgeben von 1000 klatschenden Zuschauern ein.

Fanny Theymann beim Halbmarathon in Ulm auf dem Weg zum Ziel

Das war der bis dahin bewegendste Moment in meinem Leben. Ich hatte so viel in der letzten Zeit über mich lernen dürfen. Eines davon war, dass ich mir mehr zutrauen und mehr an mich glauben darf, auch wenn Andere es nicht tun. Eine solche Leistung ist vielleicht für Andere unvorstellbar, aber das hat Nichts mit mir zu tun.

Dabei hat mir sehr geholfen, dass ich mich vorher mit meiner Ziele-Strategie auseinandergesetzt habe und wusste, wie ich mich immer wieder motivieren kann. Ich glaube sogar, dass ich ohne das Wissen mein Ziel nicht erreicht hätte, weil ich an irgendeinem Hindernis vorher aufgegeben hätte.

Inzwischen bin ich schon mehrere Marathons gelaufen und helfe Anderen mit dem Laufen zu beginnen und evtl. ebenso einmal einen Halbmarathon oder Marathon zu laufen.

Ziele im Leben – oder vom Esel und der Karotte

Wir alle haben eine Vergangenheit, eine Gegenwart und eine Zukunft. Wie lang letztere ist wissen wir zwar nicht, aber gehen wir mal davon aus, ein paar Tage reicht sie mindestens noch. Also noch genug Zeit für Ziele im Leben?

Auf der Suche nach dem glücklich sein.

Ungefähr 20 Jahre lang und da ich nun 47 Jahre alt bin, bedeutet das: fast mein gesamtes Erwachsenenleben, habe ich mich mit Vergangenheit und Zukunft beschäftigt. Zuerst natürlich mit der Vergangenheit. Es galt jahrelangen sexuellen Missbrauch aufzudecken, das Gefühl nicht gewollt zu sein zu bearbeiten, Glaubensätze aufzulösen, mein „o.k. sein“ zu finden, glücklich zu werden.  Was man eben so macht in der Szene der Persönlichkeitsentwicklung. Trainings, Seminare, Einzelsession. 

Den Sinn im Leben gefunden

Und da ich die Arbeit liebte, habe ich nicht nur meine Vergangenheit damit aufgeräumt, sondern aus ihr meine Zukunft gemacht. Ich machte die Ausbildung zur Trainerin und später zur Therapeutin.  Jetzt half ich anderen und ich war bereit die Welt zu retten. Mein Leben hatte eine Richtung,  ich hatte den Sinn in meinem Leben gefunden und voller Motivation machte ich mich an die Arbeit. Ich hatte so unendlich viel Ziele in meinem Leben. Und damit ich das tun konnte, musste ich natürlich noch besser werden.

Die Motivation ein besserer Mensch zu werden

Ich habe Vision-Boards erstellt, Bücher gelesen, meditiert, hatte Mentoren, hab am meinem Mindset gearbeitet, ich habe vorausschauende Rückblicke geschrieben (oder war es eine rückblickende Vorausschau?) Ich habe meine Fähigkeiten weiterentwickelt, meine Gedanken beobachtet, Beziehungen aufgebaut, Freunde verloren, neue gewonnen. 

Das Ziel im Leben: Menschen unterstützen

Ich habe mir Ziele im Leben gesteckt, die meisten davon nicht erreicht, aber einige schon. Ich habe geackert, andere unterstützt ich habe ganz und gar für die Zukunft gelebt. Für das Ziel im Leben, dass die Menschen wieder lernen zu fühlen. Alle Gefühle. Angst, Trauer, Wut, Freude. Ja, das war nicht ganz leicht in der „Lasst und alle Happy Sein“ Szene, aber es gab (und gibt sie) . Ich habe mit meinem Mann Matthias viele Ehe retten und ich wollte die Scheidungsrate in unserem kleinen Landkreis auf 10% senken.

Der Moment des Aufwachsens

Und dann. Dann bin ich aufgewacht. Ich war nichts anderes als der Esel, der die Karotte vor der Nase hat und ihr hinterhertrottelt. Auch noch eine selbstgewählte Karotte.

Ziele im Leben – Die Geschichte vom Esel und der Karotte
Daniel Fazio

Wir hatten gerade unser Buch veröffentlich. Auch so ein Ziel im Leben, das ich unbedingt erreichen wollte. Und da stand es bei Amazon gelistet und der Verkauf lief weit besser als erwartet. Warn wir glücklich? Ja, für einen kurzen Moment. Aber da gab es ja noch so viel weitere Ziele.

Das Wachstum hatte ein Ende

Da war dieser Workshop, den ich für andere Persönlichkeitsentwicklungsbegeisterte gegeben habe. Den verschiedenen Lebensbereichen (Beruf, Beziehung, Freizeit, Kinder) verschiedene Werte zuordnen und da stand es bei Beziehung. Wachstum. Wie selbstverständlich, ohne nachzudenken, habe ich es hingeschrieben. Denn jahrelang hat man meinem Gehirn eingetrichtert, dass es im Leben darum geht: Zu wachsen.

Ein einfacher Strich ein neues Leben

Und ich dachte: „Was für ein Quatsch eigentlich?“ Wieso soll ich in meiner Beziehung wachsen? Weshalb kann ich mit meinem wundervollen Mann, der mich liebt, verehrt und anbetet, nicht ganz einfach nur glücklich sein und ihn und mich und uns genießen. Und mit einem einfachen Strich, habe ich Wachstum auf dem Zettel gestrichen. Mit radikalen Konsequenzen.

Im Hier und Jetzt gibt es keine Ziele

Seitdem interessiert mich die Vergangenheit nicht mehr und schon gar nicht die Zukunft. Jetzt ist die Epoche dran, die ich mein ganzes Erwachsenenleben völlig vernachlässigt habe: Die Gegenwart. Und in der Gegenwart gibt es keine Ziele. Da gibt es nur das Hier und Jetzt. Nur den Moment.

Den Moment genießen

Jetzt in diesem Moment sitze ich auf unserem riesigen Sofa, das Laptop auf dem Schoß, neben mir sitzt mein Mann, mit seinem Laptop und schreibt seine Dokumentation vom gestrigen Training mit Azubis. Wir hören Wings over Europe. Ich schreibe diesen Text, weil ich meinem Freund Holger versprochen habe, dass ich es mache. [anm.d.R.: und darüber freue ich mich sehr, liebe Dee!] Mehr ist gerade nicht wichtig. Ach doch: Ich bin glücklich und genieße den Moment.

Die Fähigkeit Glückseligkeit zu empfinden

Das ist übrigens das coole an der Gegenwart: Hier findet Glückseligkeit statt. Früher dachte ich, die kommt, wenn ich ein gestecktes Ziel erreicht habe. Aber das war eine Illusion. Wenn ich überhaupt ein Ziel erreicht habe, dann stand das nächste schon auf dem Programm. Schneller, höher, weiter mehr. Je größer das Ziel, je besser das Wachstum.

Ein ungewohntes Leben kennenlernen

Ich gebe zu: Wenn Wachstum und Zielverwirklichung so lange Bestandteil eines Lebens waren, dann ist es am Anfang echt etwas gewöhnungsbedürftig. Zumal es in meinem Fall eine ziemliche Vollbremsung war. Ich stand vor den Trümmern meines Selbst. 20 Jahre war mein Leben auf etwas ausgerichtet und plötzlich war alles anders.

Am Anfang hilft nur atmen

Es fühlte sich an wie ein freier Fall im schwarzen Loch. Es gab nichts mehr zum Festhalten, nichts mehr, an dem ich mich orientieren konnte. Alles, was ich wusste war, dass ich atme. Und so ging ich einfach von einem Atemzug zum nächsten. Schon allein das bringt dich automatisch in die Gegenwart. Denn ganz ehrlich: Im Moment ist atmen eigentlich das einzige, was du brauchst um glücklich zu sein.

Ich liebe mein neues Leben

Aber es hat sich gelohnt das ungewohnte auszuhalten, sich dem Nichts-mehr-tun-müssen hinzugeben, darauf vertrauend, dass das Leben mich führt. Ein radikaler Kontextwechsel von 

„Du bist für alles verantwortlich, was in deinem Leben ist.“

Zu

„Dein Lebensfilm ist bereits fertig abgedreht, also lehn dich zurück, entspann dich und genieße den Film.“

Ich weiß noch nicht mal, welcher Kontext „richtig“ ist, ich kann nur sagen, dass es sich mit dem zweiten weitaus besser lebt. Zumindest wenn das Kontrollmonster, das sich im ersten natürlich wohler fühlt, sich beruhigt hat.

Alles ist gut – auch ohne Ziele im Leben

Natürlich heißt das alles nicht, dass ich jetzt nur noch auf meinem Sofa sitze und nichts tue. Sobald es wieder warm ist, sitze ich auf meiner Hollywoodschaukel.

Spaß beiseite: Ich arbeite auch weiterhin als Trainerin und Therapeutin. Mein Mann und ich retten gemeinsam immer noch die eine oder andere Ehe. Ich lebe. Aber ich habe keine Ziele im Leben mehr. Ich nehme, was sich mir anbietet und das Leben bietet mehr als genug.

Am Anfang war die Absicht

Was ich immer noch habe, jedes Jahr ist eine Absicht. Im Unterschied zu einem Ziel, das ich erreichen muss, für das ich was tun muss, das ich „verfolge“, ist eine Absicht, eine passive Sache. Sie ist nichts anderes als eine Ausrichtung für mein Leben oder eine Einladung, dass etwas in mein Leben kommen darf.

Dieses Jahr lautet sie: Ich genieße mein Leben. 

Und das tu‘ ich. Punkt.  Nicht mehr und nicht weniger.

Bist Du stolz auf Dein Leben?

Es war ein regnerischer Novembertag, als Franz, schon deutlich nach der Abenddämmerung, den Gehsteig entlang ging. Die schicken Business-Schuhe trugen Ihn klaglos über den nassen Asphalt. 

Es war heute etwas später geworden. Wie immer. Das wichtige, alles entscheidende Projekt ließ ihm kaum noch die Luft zum Atmen… Es gab immer ein wichtiges Projekt. Doch dieses war besonders wichtig. Also hatte er den Kurs im Fitness-Studio abgesagt, seiner Frau eine Message geschrieben, dass er nicht zum Abendessen da sein würde und war geblieben.

Seine Füße kannten den Weg. Noch 3 Straßen und er wäre daheim. Endlich ins Bett. Es war Ihm gar nicht aufgefallen, dass seine Schritte ihn schon den halben Weg über die Straße getragen hatten.

Schwarz auf Schwarz

Dem LKW-Fahrer war er auch zunächst nicht aufgefallen. In seinem schicken anthrazitfarbenen Mantel, mit dem dunklen Business-Rucksack und den schicken schwarzen Lederschuhen. 

Lichter im Dunkeln – Bist Du stolz auf Dein Leben?
Will Swann

Dann aber doch. Glücklicherweise.

Wenige Meter vor Franz begann er ohrenbetäubend zu Hupen. Bremsen war aussichtslos. Mit abgefahrenen Reifen auf der nassen Straße. Doch er versuchte es dennoch. Im Lichtkegel des 12,5 Tonnen Lasters stand Franz mitten auf der Straße, wie ein verschrecktes Reh. Konnte keinen Muskel rühren, während das Ungetüm mit quietschenden Reifen auf Ihn zu schlitterte. 

Wie in Zeitlupe sah er das Wasser spritzen, die weit aufgerissenen Augen des Fahrers, den riesigen Schriftzug des LKW-Herstellers auf dem dreckigen Kühlergrill. Den Aufkleber “Bist Du stolz auf Dein Leben”, der auf der Motorhaube prangte.

“Bist Du stolz auf Dein Leben?” Franz fand einen Sekundenbruchteil um sich über die Frage zu wundern.

Dann übernahmen die Reflexe aus 20 Jahren Kampfsport. Von damals, als er dafür noch Zeit hatte. Franz hechtete zur Seite. Gerade noch rechtzeitig entging er dem Monster aus 12,5 Tonnen Stahl und Gummi, als Ihn plötzlich eine Urgewalt erfasste und mit einem Ruck, wie eine Puppe in der Luft herumwirbelte. Er war dem Laster entgangen. Der Rucksack auf seinem Rücken aber nicht.

Neustes IT-Equipment, Lederetuis, aus denen teure Stifte rutschten und jede Menge Papier flogen aus dem aufgeplatzten 299€ Rucksack noch durch die regnerische Luft, während Franz bereits in den gelben Säcken am Straßenrand aufschlug und mit einem hässlichen, knackenden Geräusch liegen blieb. 

Weiß auf Weiß

Als Franz wach wurde, war es hell. Es standen Blumen an seinem Bett. 

Bist Du stolz auf Dein Leben – Im Krankenhaus liegend wird plötzlich vieles klarer.
rawpixel

Seinem Bett?

Er lag in einem fremden Bett in einem weißen Raum, dem ein findiger Berater eine dezente, grüne Linie verordnet hatte, damit das Krankenzimmer etwas weniger steril aussehen würde. Das Krankenhaus wurde Patientenorientiert geführt. Focus on Patient.

Franz konnte seinen Kopf nicht bewegen. Er spürte seinen Körper nicht mehr. Dazu war alles extrem schwammig. 

Er erinnerte sich noch an ein helles Licht. Frieden. Beinahe wäre es alles vorbei gewesen. Doch jetzt war er hier.

Was wäre wenn?

“Bist Du stolz auf Dein Leben?” 

Was war los? Was war passiert?

Wie im Traum flog der Abend des Unfalls an Ihm vorbei. Dann die letzten Wochen, in denen er sich Tag für Tag immer später aus dem Büro geschleppt hatte. Seinen Sohn sah er nur noch beim Frühstück im stehen, bevor Franz eilig zum vorgezogenen Morgenmeeting hastete.

Frühstück mit der Familie – bist Du stolz auf Dein Leben?
Thought Catalog

Er dachte an die unschönen Worte, die er mit seiner Frau gewechselt hatte. 

Wieso eigentlich?

Franz überlegte. Doch der Grund wollte Ihm nicht einfallen.

“Bist Du stolz auf Dein Leben?” hatte sie ihn gefragt.

Klar. Er hatte es geschafft. 3 Beförderungen in 3 Jahren. Er hatte sein Gehalt verdreifacht und in Rekordzeit das Haus abbezahlt. Privatschule für den Kleinen und Urlaub an den exotischsten Stränden. Selbst den Luxusschlitten, von dem er immer geträumt hatte, hatte er nun in der Garage stehen.

Auch wenn er ihn in letzter Zeit immer häufiger stehen ließ und die 2km von der Arbeit nach Hause lief. Es tat Ihm gut.

“Bist Du stolz auf Dein Leben?”

Was sollte die Frage?

Wenn er nicht stolz auf sich wäre, wer dann? 

Nur…

Was wäre, wenn jetzt wirklich etwas schlimmes passiert war. Wenn er jetzt wirklich querschnittsgelähmt sein sollte? 

Der Gedanke war zwar absurd… er stand gewiss nur unter starken Medikamenten.

Aber wenn doch?

Er wollte immer malen… aber dafür hat die Zeit nie gereicht. Außerdem… Malen… was ist das für ein Hobby für einen erfolgreichen Mann?

Er hatte seiner Frau eine Staffelei geschenkt. Doch sie hängte daran inzwischen die Wäsche auf.

Und Der Job? 

Jeder war ersetzbar. Er würde vermutlich vom ehrgeizigen Kollegen aus der Etage tiefer ersetzt werden. Dem würde er den Knochenjob auch gönnen. Würde schon sehen, was er davon hat. Jedenfalls kein Leben mehr.

Doch was blieb? Was hatte er mit seiner Lebenszeit der letzten 43 Jahre angefangen, was für ihn selbst von Bedeutung wäre, wenn er im Rollstuhl säße?

Er hätte vielleicht beim letzten Nachbarschaftsfest nicht absagen sollen… Im Rollstuhl würde er die Hilfe der Nachbarn sicherlich häufiger mal brauchen.

Und seiner Frau mal Blumen mitbringen sollen. Sie hatte ihm immer den Rücken frei gehalten. Sie war eine gute Frau. Nur hatte er es ihr nie gedankt.

Und Fußball spielen mit seinem Kleinen im Garten. Was würde er gerade dafür geben, wenn er gestern das Meeting abgesagt hätte und wie versprochen mit seinem Sohn gespielt hätte.

Auf was bist Du stolz?

Auf was konnte er in seinem Leben noch stolz sein?

Etwas mehr Zeit für die Dinge im Leben zu verwenden, die wirklich von Bedeutung sind… Deiner Bestimmung folgen… Zeit mit Menschen verbringen, Die genau so verrückt im Kopf sind, wie Du selbst… und den ganzen unwichtigen Ballast einfach abstreifen und NEIN sagen und Dir dabei stets bewusst sein, dass Du damit JA zu Deinem Leben sagst.

Es gab so viel zu verändern in Seinem Leben. Doch jetzt galt es erst mal gesund zu werden.

Und dann würde er SEINE Ziele verfolgen… nur anders als bisher.

zieltraum